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Fragen & Antworten

Ausgangslage und Nutzen

Die Gemeinde Muri bei Bern will Kindern und Jugendlichen einen zeitgemässen Schulunterricht ermöglichen, Sorge zu ihren Schulanlagen tragen und diese ressourcenschonend betreiben. An allen Schul- und Kindergartenstandorten besteht in den nächsten Jahren Handlungsbedarf. Teilweise entspricht das Raumangebot nicht mehr den heutigen Anforderungen, es fehlt an Gruppenräumen für individuelles Lernen und an Räumen für bestimmte Fächer und für Spezialunterricht. Die Gebäude sind energetisch und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. An einigen Standorten erfordert die wachsende Anzahl Kinder mittelfristig mehr Klassen und somit zusätzliche Fläche. Die geplanten Sanierungen verbessern die Bedingungen für einen erfolgreichen Unterricht, verringern den CO2-Ausstoss, senken die Betriebs- und Unterhaltskosten und stellen den Raumbedarf sicher. Nicht überall sind die baulichen Massnahmen gleich dringend. Die Schulraumplanung stellt sicher, dass die Sanierungen in der richtigen Reihenfolge realisiert werden und für die Gemeinde finanziell tragbar sind.

Nach heutigem Bildungsverständnis sind vielfältige Unterrichtsmethoden und Lernformen am besten geeignet, die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern; nebst frontalem Klassenunterricht lernen die Kinder heute auch in Gruppen. Für diese Lernformen, wie sie der Lehrplan 21 vorgibt, fehlen teilweise die nötigen Räume. In den Gruppenräumen können die SchülerInnen selbständig arbeiten. Darin findet der Halbklassenunterricht und auch der Spezialunterricht mit Heilpädagoginnen und Heilpädagogen statt. Heute gibt es in der Gemeinde im Schnitt für drei Klassenzimmer einen Gruppenraum. Nur im neuen Holzelementbau Seidenberg konnte bisher ein Gruppenzimmer pro Klassenraum realisiert werden. Ziel ist, dass mittelfristig – wo dies baulich möglich ist – für jede Klasse ein Gruppenraum zur Verfügung steht. Zusätzlich braucht es für einen zeitgemässen Schulunterricht gut ausgerüstete Fachräume, also beispielsweise Räume für textiles und technisches Gestalten oder Natur und Technik, moderne Schulküchen und Turnhallen.

Die aktuelle Planung rechnet bis 2035 mit 64 oder 65 Klassen – gegenüber 62 Klassen im Schuljahr 2024/25. Dabei ist mit Schwankungen zu rechnen: In den nächsten drei Jahren dürfte die Klassenzahl auf 65 steigen und im Schuljahr 2027/28 wieder auf 63 sinken. Eine Studie von Infraconsult hatte 2018 für alle sechs Schulstandorte bis 2035 einen Bedarf an 62 Klassen prognostiziert und war damit zu defensiv. Die Bevölkerung ist seither stärker gewachsen, zudem wurden in den letzten zwei Jahren rund vierzig Flüchtlingskinder in die Regelklassen integriert.

Die Gemeinde hat Nachholbedarf beim Wohnungsbau, das Angebot kann die Nachfrage momentan bei weitem nicht decken. Idealerweise entsteht neuer Wohnraum in und um die grossen Städte: Die Menschen sind hier im Alltag grösstenteils mit Bus, Tram, Zug, Velo oder zu Fuss unterwegs. Die Infrastruktur ist schon gebaut oder der Ausbau beschlossen oder geplant. Dies ermöglicht ein ressourcenschonendes Wachstum. Die Gemeinde Muri strebt durch die bessere bauliche Nutzung geeigneter Gebiete ein sanftes und verträgliches Wachstum an, das den Prognosen der regionalen Entwicklungspläne entspricht. Mit den laufenden Planungen leistet sie einen Beitrag an die vom Kanton angestrebte Bevölkerungsentwicklung. Die Gemeinde gehört zum urbanen Kerngebiet der Agglomeration; der Kantonale Richtplan sieht für Muri-Gümligen bis 2040 zusätzliche 1'400 Einwohnerinnen und Einwohner vor (+ 11%).

Das moderate Wachstum, das die Gemeinde anstrebt, dürfte die sinkende Geburtenrate ausgleichen. Falls die Geburtenrate tief bleibt, wird dies mittelfristig dazu führen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler ab 2035 nur noch leicht steigt oder stagniert.

Die Klassengrösse ist in den Richtlinien für Schülerzahlen der kantonalen Bildungs- und Kulturdirektion vorgegeben. Als Norm gelten für Kindergartenklassen 14 bis 22 Kinder und für Schulklassen 16 bis 26 Schülerinnen und Schüler. Die Gemeinde orientiert sich bei der Schulraumplanung an diesen Bandbreiten.

Die Gemeinde hat das Konzept für die Planung der Tagesschulen überarbeitet. Der Bericht einer externen Firma zeigt für die einzelnen Schulstandorte das langfristige Raumdefizit auf. Dabei wird davon ausgegangen, dass im Schnitt bald 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Tagesschule partiell benutzen. Pro Kind gilt ein Flächenrichtwert von 4 m2. Kurzfristig benötigt vor allem der Standort Moos infolge Zunahme der Unter- und Mittelstufe zusätzlichen Raum für die Tagesschule; mit der Umnutzung der Liegenschaft am Turbenweg 10 lässt sich der Bedarf mittelfristig decken. Ebenfalls kurzfristig weist der Standort Melchenbühl einen zusätzlichen Bedarf aus, dies vor allem aufgrund der grösseren Anzahl Schülerinnen und Schüler. Zudem sind nicht alle durch die Tagesschule benutzten Räumlichkeiten ideal für diese Verwendung.

Standort und Etappierung

Für die Reihenfolge der Sanierungen sind der Zustand der Gebäude (inklusive Haustechnik), die Funktionalität der Räume sowie der absehbare Flächenbedarf massgebend. Vordringlich sind die Gesamtsanierungen der Schulanlagen Melchenbühl (Bauzeit 2024-2026) und Horbern (2026-2028). Danach folgen voraussichtlich die Standorte Dorf (ab 2028), Moos (Schule ab 2030+, Turnhalle eventuell ab 2028), Seidenberg (ab ca. 2030+) und Aebnit (Schule ca. ab 2035, Kindergarten und Turnhalle eventuell früher). Bei den Tagesschulen sieht der Sanierungsfahrplan so aus: Turbenweg 10 kann ab Sommer 2024 genutzt werden (für Schulanlagen Moos und Seidenberg) und Rainweg 11 2025 (für die Schülerinnen und Schüler der Anlage Horbern, Ersatz und Erweiterung der Tagesschule Horbern).

Die Standorte Moos und Seidenberg sind mit je zwischen 300 und 350 Schülerinnen und Schülern die mit Abstand grössten Schulanlagen der Gemeinde. An beiden Standorten hat die Anzahl Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren zugenommen. Dies gilt auch für die deutlich kleineren Standorte Aebnit und Melchenbühl, wo je zwischen 150 und 200 Schülerinnen und Schüler zur Schule gehen. Insbesondere an den Standorten Melchenbühl und Moos ist aufgrund von neuen Überbauungen im Einzugsgebiet mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, was den Bedarf an Schul- und Tagesschulraum erhöht.

Umgekehrt ist die Anzahl Schülerinnen und Schüler in den Einzugsgebieten der Standorte Dorf und Horbern über einen längeren Zeitraum betrachtet konstant geblieben und das dürfte auch künftig so bleiben. Allerdings müssen die beiden Anlagen möglicherweise zusätzliche Schülerinnen und Schüler aufnehmen, sollte der Zuwachs an den anderen Standorten sehr gross sein. Grundsätzlich ist der Druck auf die Standorte Moos (ab Schuljahr 2025 Unter- und Mittelstufe) und Seidenberg (ab 2025 Oberstufenzentrum) eher spürbar als an den anderen Standorten; bei der Unterstufe verteilen sich die steigenden Zahlen auf mehrere Standorte und fallen dadurch weniger ins Gewicht.

Die Oberstufe wird ab 2025 in der Schulanlage Seidenberg zentralisiert. Was die Unterstufe betrifft, herrscht ein politischer Konsens, dass es in jedem Schulkreis ein Schulhaus geben soll (Aebnit, Dorf, Horbern, Melchenbühl, Moos). Die Zusammenlegung von Standorten würde einen längeren Schulweg bedeuten, was mit Blick auf die Schulwegsicherheit für Kinder bis zur 5. Klasse problematisch wäre.

Nachhaltigkeit und Energie

Als «Energiestadt» legt die Gemeinde Muri besonderen Wert auf eine effiziente Nutzung von Energie sowie auf erneuerbare Energien und Klimaschutz. Sie stellt deshalb bei der Sanierung der Schulanlagen hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Ziel ist es, den CO2-Ausstoss zu verringern, die Betriebs- und Unterhaltskosten zu senken und zu einem angenehmen Lokalklima beizutragen. So wird die Schulanlage Melchenbühl nach der bereits beschlossenen Gesamtsanierung die bisherigen Minergie-A-Standards erfüllen und damit die Ziele der kommunalen Immobilienstrategie übertreffen, die für Sanierungen GEAK B/B (Gebäudeenergieausweis der Kantone) vorgibt. Die Schulanlage und der Pavillon werden an die Fernwärme angeschlossen. Für die Stromerzeugung sind auf dem Dach der Turnhalle sowie an den Fassaden der Turnhalle und des Schulhauses eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Gebaut wird nach den Ecobau-Vorgaben für nachhaltiges Planen und Bauen; es sind möglichst ressourcenschonende Materialien zu verwenden und das bestehende Baumaterial soll wenn möglich wiederverwendet werden. Rund um das Schulhaus ist geplant, die Hälfte der heute asphaltierten oder mit Verbundsteinen besetzten Fläche zu entsiegeln und als Schattenspender rund 40 zusätzliche Bäume und diverse Sträucher zu pflanzen.

Für die Sanierung der Schulanlage Horbern ist geplant, vom energiefokussierten Minergie-A-Standard zum umfassenderen Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS Hochbau/ Silber) zu wechseln. Dieser Standard umfasst ein übergreifendes Konzept für das nachhaltige Bauen und hat den ganzen Lebenszyklus im Blick. Er deckt das Gebäude und den Standort im Kontext seines Umfeldes ab und ermöglicht es, die Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichermassen und möglichst umfassend in Planung, Bau und Betrieb miteinzubeziehen. So wird das Vorprojekt für die Schulanlage Horbern zum Beispiel den gesamten Umgebungsperimeter von rund 6500 m2 umfassen statt nur den Minimalperimeter von rund 1800 m2, wie in der Machbarkeitsstudie bisher vorgesehen. Je nach Erkenntnissen aus dem Testlauf kann der neue Standard SNBS Hochbau auch für die folgenden Schulhaussanierungen angewendet werden. Dabei steht nicht die Zertifizierung per se im Vordergrund; entscheidend ist, mögliche Massnahmen ganzheitlich zu prüfen und jene mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis zu übernehmen.

Kosten und Finanzierung

Eine Studie von Infraconsult aus dem Jahr 2018 ergab für alle sechs Schulstandorte bis 2035 einen Investitionsbedarf von insgesamt 71.5 Mio. Franken. Die aktuelle Schätzung geht aufgrund der Teuerung, vertiefter Kenntnisse der Bausubstanz und des Bevölkerungswachstums von rund 100 Mio. aus. Die Studie von 2018 prognostizierte bis 2035 einen Bedarf an 62 Klassen, diese Klassenzahl ist aber inzwischen bereits erreicht. Die aktuelle Planung rechnet bis 2035 mit 64 oder 65 Klassen.

Die Summe von 100 Mio. Franken setzt sich aus den Kostenschätzungen und Erfahrungswerten für die einzelnen Schulanlagen zusammen. Diese Angaben sind aufgrund des unterschiedlichen Projektstandes nicht alle gleich präzis sind. Die mit 14,4 Mio. Franken veranschlagte Gesamtsanierung der Schulanlage Melchenbühl weist – dank dem bereits vorliegenden konkreten Bauprojekt – eine Kostengenauigkeit von +/- 10% inklusive Nebenkosten, Reserven und Mehrwertsteuer auf. Für die Sanierung der Schulanlage Horbern liegt eine inzwischen aktualisierte Machbarkeitsstudie mit einer Projekterweiterung vor; sie ergibt Gesamtkosten von rund 11.3 Mio. (+/- 25%). Sobald das Vorprojekt vorliegt, wird die Kostengenauigkeit +/- 15% betragen. Die Angaben zu allen übrigen Schulanlagen entsprechen vorderhand noch groben Schätzungen (+/- 25%) und werden im weiteren Verlauf der Planung – wie bei vergleichbaren Bauprojekten – immer genauer. Dieses Vorgehen entspricht den gängigen SIA-Vorschriften.

Der aktuelle Investitionsplan für die Jahre 2023 bis 2028 geht insgesamt von Nettoinvestitionen im Umfang von 79 Mio. Franken im Allgemeinen Haushalt aus. Mit rund 39 Mio. Franken sind rund die Hälfte der Investitionen für den Bildungsbereich vorgesehen. In den übrigen Bereichen sind allein für die Sanierung des Gemeindehauses inkl. Anschluss an das Fernwärmenetz 14,6 Mio. und für die Sanierung der Strassen inklusive Beleuchtung rund 16 Mio. reserviert.

Der gültige Finanzplan für die Jahre 2023 bis 2028 rechnet aufgrund aller geplanter Investitionen mit einem Anstieg der Verschuldung bis auf rund 83 Mio. Franken im Jahr 2028. Per Ende 2028 dürfte die Nettoschuld pro Einwohner und Einwohnerin 906 Franken betragen. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung erachtet eine Nettoschuld von weniger als 2'000 Franken als akzeptabel. Die Zinslast wird bis 2028 voraussichtlich um 0,8 Mio. Franken zunehmen.

Per Ende 2023 steht die Gemeinde im Vergleich mit anderen Berner Gemeinden sehr gut da. Bei fünf von acht Schlüsselkennzahlen hat sich die Gemeinde besser entwickelt als andere Berner Gemeinden.

Nein. Der Anstieg der Verschuldung gemäss Finanzplan 2023-2028 bis auf 83 Mio. Franken im Jahr 2028 ist für die Gemeinde ohne Steuererhöhung tragbar.

Die Ressorts Bildung, Bauen und Finanzen arbeiten in der Schulraumplanung eng zusammen. Alle Investitionsprojekte mit Kosten von mehr als 3 Mio. Franken werden in einem eigens dafür eingerichteten Gremium koordiniert, in der so genannten Ad-hoc-Kommission im Auftrag des Gemeinderates. Die für die Bildung und das Bauen zuständigen Gemeinderätinnen leiten diese Kommission, wenn es um Bildungsbauten geht; darin vertreten sind auch die Leiter der Bereiche Bildung und Hochbau + Planung. Periodisch finden Absprachen mit der Abteilung Finanzen statt. Bei den einzelnen Sanierungsprojekten sitzen die betroffene Schulleitung bzw. ein Delegierter der Lehrerschaft und eine Vertretung des Gebäudebetriebes im Projektteam und und in der Ad-Hoc Kommission.

Die Bauprojekte werden sorgfältig geplant und für Unvorhergesehenes sind Reserven eingerechnet, wie das bei solchen Projekten üblich ist. Kostenanpassungen gehören zu jedem Bauprojekt, da im Lauf der Entwicklung (Ausschreibung, Vergabeverfahren, Umsetzung) immer konkretere Aussagen möglich sind. Wie bei solchen Projekten üblich, ist auch bei der Gesamtsanierung der Schulanlage vorgesehen, die Bedürfnisse und Baumassnahmen fortlaufend zu überprüfen und bei Bedarf Vereinfachungen vorzunehmen oder auf Dinge zu verzichten; dabei gilt es, die Kostenvorgaben ebenso einzuhalten wie die Qualitätsziele.

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